Self-Publishing und Verlag –  geht das?
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Self-Publishing und Verlag – geht das?

Während ich mit dem Buchsatz für Akuma beschäftigt war, trat der Empire-Verlag an mich heran. Ein frisch gegründeter Verlag, der Interesse daran zeigte, meinen Roman zu verlegen. Wir verstanden uns auf Anhieb prima und ich freute mich wahnsinnig, dass mir diese Chance geboten wurde.
Nach einigem Hin und Her entschied ich mich dazu, die E-Book-Rechte an sie abzutreten. Das Taschenbuch wollte ich wie geplant bei Books on Demand (BoD) als SP-Buch veröffentlichen. Dafür gab es zwei Gründe: Erstens hatten neben mir schon so viele Leute an dem Roman gearbeitet (Lektorin, Cover Designerin, TestleserInnen, …). Diese Arbeit sollte nicht umsonst gewesen sein. Zweitens hatte ich nicht wenig Geld in Akuma investiert.

Das ist eine Geschichte, die ich schon einige Male erzählt habe. Worüber ich bislang nicht gesprochen habe, sind meine Erfahrungen mit dieser – wie ich sie nenne – zweigleisigen Veröffentlichung.

Ja, sie ist ungewöhnlich und lasst mich ehrlich sein: Hätte ich mich mit Akuma in der Anfangsphase befunden und hätte er nicht kurz vor der Veröffentlichung gestanden, wäre meine Entscheidung eine andere gewesen.
Lasst mich erklären, wieso.
Die Grundidee ist genial: Der Empire-Verlag vermarktet das E-Book und ich als Self-Publisherin das Taschenbuch. Klingt toll, oder? Geteilte Arbeit – Hurra!
Der Verlag kümmerte sich vorbildlich um die Internetpräsenz, rührte mit Erfolg die Werbetrommel, wodurch ich fast 150 Bewerber für meine Leserunde hatte und ebenso viele für eine weitere Verlosung – beides auf Lovelybooks. Dafür, und für Rezensionsanfragen, ließ der Verlag 200 Printexemplare ohne ISBN drucken, damit ich keine Ausgaben hatte. Eine tolle Sache!
Der Nachteil daran war: Die Taschenbuchverkäufe brachen ein.

Damit ihr euch ein Bild von den Finanzen machen könnt: Mit Cover, Lektorat und Marketingmitteln habe ich Pi mal Daumen 2500€ in Akuma investiert. Bei BoD erhalte ich für jedes verkaufte Exemplar bei einem Verkaufspreis von 9,99 € je nach Shop (der Gewinn ist mit 1,85€ am höchsten, wenn direkt im BoD-Shop gekauft wird, was aber selten vorkommt) 1,23€. Verkauft habe ich nicht einmal 100 Bücher.
Puh! Schwarze Zahlen sehen anders aus, hm?
Du hast ja noch das E-Book, mögen einige von euch denken. Ja, habe ich. Aber ein Verlag möchte ebenfalls verdienen.
Der Empire-Verlag fängt gerade erst an. Daher wurde Akuma zunächst ausschließlich bei Amazon veröffentlicht (Tolino folgt in den nächsten Wochen). Amazon behält 30% des Verkaufspreises ein. Von den übrigen 70%, die an den Verlag gehen, erhalte ich 40%. Das E-Book wurde mit 3,99€ eingeführt, dann hatte es eine Preisaktion gegeben (0,99€ – zu diesem Zeitpunkt sank der Erlös von 70% auf 35%) und kostet nun dauerhaft 2,99€.
Auch wenn ich mich wahnsinnig über die Verkäufe gefreut habe, die trotz der 200 kostenlos abgegebenen Printexemplare erstaunlich hoch waren (das empfand ich so, der Empire-Verlag mag dies eventuell anders sehen😅), bleibt am Ende nicht viel für mich übrig.

Die Tantiemen wären höher ausgefallen, hätte ich auch die E-Book-Rechte behalten, da ich sie nicht hätte teilen müssen, außer natürlich mit dem Distributor.
Doch für einen Gewinn, hätte ich auch die Taschenbuch-Rechte an den Verlag abtreten sollen, bevor ich Lektorat und Cover in Auftrag gegeben habe (dafür kam die Anfrage allerdings zu spät^^). Ausgaben hätte ich dann von vornherein keine gehabt. Zwar bringt der Empire-Verlag aktuell nur E-Books raus, Prints sollen jedoch folgen.
So sehr ich es liebe Self-Publisherin zu sein, mehr Aufmerksamkeit erreicht ein Verlag.
Falls mir jemand widersprechen mag, das ist okay! Ich bin wahnsinnig schlecht, wenn es ums Thema Marketing geht und von meinem Debüt Todessamen, wussten nicht einmal halb so viele Menschen wie von Akuma durch die Hilfe des Empire-Verlags.

Ich arbeite sehr gerne mit der Truppe zusammen und werde das weiterhin tun. Trotzdem bin und bleibe ich im Herzen Self-Publisherin. Es wird immer mal wieder Projekte geben, die ich selbst in die Hand nehme. Sei es, weil sie nicht zum Verlag passen oder weil ich mich einfach besser fühle, das Projekt in Eigenregie zu veröffentlichen. Das wird sich zeigen.
Beides gleichzeitig kommt kein weiteres Mal für mich in Frage.

Fazit: Trotz der negativen Punkte bereue ich meine Entscheidung nicht. Könnte ich in der Zeit zurückreisen, würde ich es wieder so tun. Ich schreibe nicht, um reich zu werden (haha!), glücklicherweise habe ich einen Brotjob, der das nötige Kleingeld einbringt, um das Self-Publishing zu finanzieren. Ich schreibe, weil ich das Autorinnenleben liebe. Außerdem haben alle, die an Akuma beteiligt waren, fantastische Arbeit geleistet. Es fühlte sich damals richtig an, die Taschenbuch-Rechte zu behalten, und das ist noch immer so.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag einen guten Einblick geben. Es macht Sinn, sich für den einen oder anderen Weg zu entscheiden. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, die ich in diesem Beitrag nicht weiter erläutern möchte. Dazu eignet sich eher ein eigener Artikel.
Falls jemand Fragen hat, scheut euch nicht! Ich beantworte sie gerne!😊

Gruselwuselige Grüße
Eure Nicole

NicoleSiemer_Autorin

Dauer-kichernde Autorin mit Hang zum Gruselwusel. Außerdem: Serienjunkie, Sklave meiner Stubentiger, Naturfreundin und Liebhaberin guter Musik mit Wumms.

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