Séance

3 Wörter Februar 2021
Bandsalat
Fisimatenten
Papperlapapp

1

»Bist du sicher, dass du das tun möchtest, Mimi?«, flüsterte Bob Müller seiner Frau ins Ohr.
Sie nickte, den Blick weiter zur Bühne gerichtet. Die dunklen Ringe unter ihren Augen schienen durch das Licht der Neonröhren an Intensität zugenommen zu haben. Ihr Gesicht war blass, ihre Lippen verkniffen.
Bob wandte sich ebenfalls wieder der Bühne zu. Er konnte das Ticken der Uhr hinter dem Medium regelrecht hören. Im Saal war es mucksmäuschenstill, obwohl so gut wie jeder Platz besetzt war. Alle beobachteten gebannt, wie die Frau die Fingerspitzen gegen die Schläfen presste und angeblichen Geisterstimmen lauschte. Ab und zu bewegte sie den Kopf, als versuchte sie, die Richtung zu orten, aus der die vermeintliche Stimme kam.
Bob gähnte.
»Kennt hier jemand einen Friedrich?«, fragte das Medium.
Mimi zuckte zusammen. Langsam hob sie die Hand, genau wie einige andere Personen im Saal.
»Sagt jemandem ein roter Toyota etwas? Mit einer Beule in der Tür der Beifahrerseite?«
Hände sanken, nur Mimis zeigte weiter in die Höhe. Sie zitterte.
Bob berührte ihr Knie und unterdrückte ein neuerliches Gähnen. Natürlich spricht sie von deinem Vater, Schatz, schließlich hast du sie für eine private Séance gebucht.
»Wie heißen Sie?«, fragte das Medium.
»Miriam.« Mimi räusperte sich. »Mimi!«
»Hallo, Mimi. Friedrich ist gerade hier. Er möchte Ihnen sagen, dass es ihm gut ist und dass Sie aufhören sollen, sich die Schuld an seinem Tod zu geben.«
Tränen traten in ihre Augen, sie nickte.
»Machen Sie das für ihn, Mimi?«
Wieder nickte sie.
Bob verspürte den Drang, zu dem Medium auf die Bühne zu rennen und ihr ins Gesicht zu schreien, was für eine Scheiße sie redete.
Er verpasste durch seine Wut die nächsten Worte der Frau und beobachtete mit Erstaunen, wie die Leute begannen zu applaudieren und sich nach und nach zu erheben, als stünde eine erfolgreiche Sängerin oder die weibliche Reinkarnation Jesu Christi vor ihnen.
Auch Mimi fügte sich in die Standing-Ovation ein. Nur Bob blieb sitzen.

2

»Ich frage dich noch einmal, Schatz. Bist du sicher, dass du das tun möchtest?«
Bob und Mimi folgten im höflichen Abstand einem Mann, der wie ein Butler aussah, durch einen langen Flur.
»Ja, Bob. Ich möchte nur noch einmal die Anwesenheit von Papa spüren. Nur einmal. Ich verlange gar nicht, dass er mit mir redet, oder so etwas. Ich will ihn nur bei mir haben.«
Er seufzte. »Ich verstehe, dass er dir fehlt. Aber ein Medium? Die will uns doch nur das Geld aus der Tasche ziehen und dann erzählt sie dir schwammige Details, die sich jeder aus dem Internet ziehen könnte. Genau wie diese Geisterjäger, die mit Kassettenrekordern und Magnetfelddektoren durchs Haus stürmen, angebliche Geisterstimmen aufnehmen und aus jedem Knacken oder Rauschen gleich ein paranormales Phänomen machen.« Bob redete sich in Rage und wurde mit jedem Wort lauter. »Komisch, dass diese Aufnahmen für kaum Furore sorgen, oder? Wahrscheinlich haben sie, sobald sie die Echtheit der Aufnahmen beweisen sollen, nichts als Bandsalat vorzuweisen. Und Medialität … Das sind doch alles Fisimatenten! Du musst dir Zeit nehmen, zu trauern. Das hier weckt nur falsche Hoffnungen, das ist nicht gesund, Schatz.«
»Pst! Nicht so laut. Außerdem ist sie nicht nur ein Medium, sie nutzt eine physikalische Medialität. Es gibt haufenweise Bilder und andere Beweise dafür, dass das, was diese Menschen tun, real ist. Sie können mit Geistern kommunizieren, Bob.«
»Mimi, bitte. Lass uns einfach nach Hause gehen. Dann schnappen wir uns ein Fotoalbum und erinnern uns bei einem Gläschen Wein an deinen alten Herrn, okay?«
»Du hast doch selbst erlebt, was vorhin passiert ist. Das Medium hat mit meinem Papa geredet.«
»Das Medium hat ins Blaue geraten. Welche Person, die einen geliebten Menschen verloren hat, fühlt sich nicht in irgendeiner Weise schuldig? Du …«
»Da sind wir«, sagte der Mann, der wie ein Butler aussah. Er streckte den Arm aus und deutete zu dem Raum zu seiner Linken. »Treten Sie ein und nehmen Sie jeweils links und rechts von der Kammer Platz. Unser Medium wird bald bei Ihnen sein.«
Mimi bedankte sich und trat ein.
Bob zögerte. Der Butler verharrte weiterhin in seiner Position, er blinzelte nicht einmal. Wie eine verdammte Puppe, dachte Bob und betrat ebenfalls den Raum.
Eine Kammer, die an eine Mischung aus türlosem Schrank und offener Beichtkammer erinnerte, nahm den Großteil des Raumes ein. Ein einsamer Stuhl mit Armlehnen stand darin, an dem Hand- und Fußfesseln aus Leder befestigt waren. Weitere Stühle waren links und rechts neben der Kammer platziert worden, sodass sie einen Halbkreis bildeten.
Mimi hatte bereits Platz genommen und vergrub das Gesicht in den Händen. Bob setzte sich ihr gegenüber. »Alles okay?«
»Ich möchte nur wissen, ob er mir verzeiht.«
»Da gibt es nichts zu verzeihen. Dein Vater war krank. Es ist ja nicht so, als hättest du ihm diese Krankheit gegeben.«
Mimi nahm die Hände runter. Ihre Mimik zeigte keinerlei Emotionen und jagte Bob einen gewaltigen Schrecken ein. »Wie kannst du dir da sicher sein?«
Er öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, da trat das Medium ein.
Sie begrüßte die beiden und schloss die Tür hinter sich. »Wie geht es Ihnen, Miriam?«
Mimi holte zitternd Luft. »Ich bin nervös.«
»Keine Sorge. Wir sind bei Ihnen, okay? Seien Sie ganz entspannt. Verkrampfung kann dafür sorgen, dass sich die Geister nicht zeigen wollen.«
»Ja, klar«, murmelte Bob.
»Haben Sie was gesagt?«, fragte das Medium.
»Nein. Also, wie läuft das ab? Sie setzten sich gleich in diesen Schrank da, schließen die Augen und spucken Ektoplasma?«
»Ein Skeptiker. Das ist nicht ungewöhnlich. Mal sehen, ob Sie nach unserer Séance noch immer so denken. Ja, ich setze mich gleich auf den Stuhl, wenn Sie möchten, dürfen Sie mich fesseln, um sicher zu gehen, dass ich mich nicht doch befreien kann, um durch den Raum zu wandern. Sobald das geschafft ist, löschen wir das Licht. Ich rufe die Geister an.«
Bob schnaufte. »Lassen Sie mal, ich steh nicht so auf Fesselspiele.«
Das Medium fuhr fort: »Zwei davon sind meine Helfer. Der kleine Peter und Anni. Sie führen mich sozusagen in die Welt der Geister und zu Friedrich, sofern er sich zeigen möchte. Da er das heute schon einmal getan hat, bin ich mir sicher, dass er erscheint. Während dieser Zeit befinde ich mich in einem tiefen Trancezustand. Möglicherweise spricht Friedrich durch mich, eventuell nimmt er aber auch selbst Form an. Sie könnten einen Nebel sehen oder auch, wie Sie eben schon einmal erwähnten, Ektoplasma, das aus mir herausströmt.«
»Was ist das? Ektoplasma?«, fragte Mimi.
»Es ist eine durchscheinende, oft gallertartige Substanz, die in manchen Fällen Fäden zieht, in anderen schäumt. Ektoplasma ist sehr lichtempfindlich, daher ist es notwendig, dass wir von Dunkelheit umgeben sind. Haben Sie keine Angst, wenn Sie es sehen, es wird Ihnen nichts tun, es ist maximal für mich gefährlich.«
»Ja, aber … was genau ist diese Substanz?«
»Ein Geist. Oder eher … eine Art Abdruck von ihm. Manchmal formen sich aus den Ektoplasmen Konturen – Hände, Füße, ganze Körper. Es ist ihre Art, sich zu zeigen. Nur uns Medien ist es möglich, sie sichtbar zu machen.«
»Klingt schmerzhaft«, sagte Bob.
»Manchmal ist es das. Meistens entzieht es uns jedoch nur die Kraft. Wir sind nach der Seance ein wenig geschafft, aber nie für lange Zeit. Wollen wir beginnen?«
Bob wedelte mit der Hand und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
Die Tür öffnete sich und der Butler kam herein. Er begann damit das Medium zu fesseln.
»Interessant, dass er keine zwei Sekunden nach Ihrer Ansprache eintritt«, sagte Bob.
Das Medium schmunzelte. »Wir nehmen unsere Séancen auf, außerdem gibt es einen Lautsprecher, der das Gesprochene in einen anderen Raum überträgt. Das ist wichtig, sollte es Komplikationen geben.«
»Komplikationen?«, fragte Mimi.
Das Medium nickte. »Es ist nicht ungefährlich, die Welt der Geister zu betreten. Nicht jeder ist gut. Es gibt Rachegeister, Poltergeister, sogar Dämonen. Es ist wichtig, dass ich darauf achte, keinen davon in unsere Welt zu bringen.«
»Aha. Und ist das schon oft passiert?«
»Nicht mir, aber es hat Fälle gegeben. So etwas endet nie gut.«
Bob hatte die Nase voll. »Ach, papperlapapp! Nun fangen Sie schon an, damit diese Farce endlich ein Ende hat.«
Das Medium nickte dem Butler zu und schloss die Augen. Er löschte beim Rausgehen das Licht und verschloss die Tür.
Völlige Dunkelheit umgab sie nun. Leise Musik drang aus versteckten Lautsprechern herein.
Das Medium ergriff das Wort: »Ich rufe Anni, kannst du mich hören.« Eine Weile lang herrschte Stille. Mit nasaler Stimme sprach sie weiter. »Guten Tag.«
Bob unterdrückte ein entnervtes Stöhnen.
»Mein Name ist Anni. Wie geht es Ihnen, meine Liebe?«
»Ein bisschen aufgeregt«, antwortete Mimi.
»Das ist normal, meine Liebe, aber keine Angst. Ich passe auf, dass nichts passiert. Ich werde das Wort nun dem kleinen Peter übergeben. Er hat bereits Kontakt mit dem betreffenden Geist aufgenommen und wird ihn gleich herholen.«
Erneute Stille.
»Heidiho!«, sprach das Medium mit quietschender Stimme, die einem kleinen Jungen ähneln sollte.
Bob biss sich auf die Lippen. Was zum Teufel machen wir hier?
»Der Peter ist da!«
»Hi, Peter«, sagte Mimi.
»Boah! Sie sind aber hübsch, Madame!«
Mimi kicherte. »Danke.«
»Die Schuhe, die Sie tragen, sehen fast so aus, wie die von meiner werten Mutter. Haben Sie die vom selben Schuhmacher anfertigen lassen, Madame?«
»Wohl eher nicht, aber schön, dass sie dir gefallen, Peter.«
»Hm, na gut, dann hab ich mich wohl verguckt. Ich hab hier jemanden, der Sie gerne sehen möchte. Möchten Sie auch ihn sehen, Madame?«
Mimi schniefte. »Ja. Ja, unbedingt.«
»Ich hole ihn schnell.«
Es klang, als entfernten sich Schritte und erneut herrschte Stille.
Schöner Effekt, dachte Bob.
Wieder waren Schritte zu hören, dieses Mal näherten sie sich und klangen deutlich schwerer.
Er hörte, wie Mimi keuchte.
»Friedrich hat den Weg zu uns gefunden«, fuhr das Medium mit normaler Stimme fort.
»I-ich spüre ihn«, sagte Mimi. »Er hat eine Hand auf meinen Kopf gelegt.«
»Er möchte Ihnen sagen, dass er Ihnen verzeiht, Mimi. Er weiß, Sie haben es nur gut gemeint.«
»Danke.« Mimi weinte. »Vielen Dank.«
Aus der Richtung des Mediums formte sich etwas. Es schien direkt aus ihrem Mund zu kommen, eine leuchtende Substanz. Sie sah ein bisschen wie Zuckerwatte aus.
Bob beobachtete fasziniert, wie sie in die Mitte des Raumes schwebte und sich weiter formte. Es sah aus, als waberte eine Wolke auf Augenhöhe.
Wie sie den Effekt wohl erzeugten?
Das Medium keuchte. Durch das austretende Ektoplasma war ihr Gesicht gut erkennbar. Ihr Mund war weit aufgeklappt, ihre Augen aufgerissen. Sie klang, als würde sie ersticken.
Bob setzte sich auf, zögerte jedoch. Gehörte das zur Show?
»Was ist passiert?«, fragte Mimi. »Ich spüre seine Hand nicht mehr. Papa? Papa, bist du noch da?«
Die Farbe des Ektoplasmas veränderte sich. Eben noch weißlich, verfinsterte es sich nun, verwandelte sich in eine Art düsteren Nebel.
»Oh, nein!«, sagte der kleine Peter.
Bob klammerte sich an die Sitzfläche seines Stuhls. Er hörte den Jungen reden, aber das Medium bewegte nicht länger die Lippen. Es klang, als befände sich das Kind am anderen Ende eines Tunnels. Seine Stimme hallte von unsichtbaren Wänden wider. »Sie ist hier!«, schrie er.
»Was geht hier vor?« Bob sprang auf.
Der Nebel nahm immer mehr Kontur an und ähnelte jetzt dem Körper einer Frau.
»Mörder!«, donnerte eine Stimme durch den Raum. So laut, dass Bob erschrocken die Hände auf die Ohren schlug.
Mimi kreischte. Das Medium röchelte. Ein Heulen zog auf, wie von einem Sturm verursacht. Wieder ertönte es donnernd: »Mörder! Mörder! Mörder!«
»Was ist das?« Bob verstand die Welt nicht mehr. Er brauchte Licht, dringend Licht! Blind tastete er sich vor. Setzte vorsichtig, aber eilig, einen Fuß vor den anderen, bis er das Ende des Raumes erreichte. Mit den Fingern tastete er die Wand ab. »Wo ist der verdammte Lichtschalter?«
Er fand nicht einmal die Tür.
»Nein!«, hörte er Mimi. »Bitte! Geh weg.«
»Mörder!«
Eine gewaltige Windböe presste Bob gegen die Wand. Es war, als wäre er damit verschmolzen. Er versuchte zu schreien, doch der Druck ließ keinen Sauerstoff in seine Lunge. Er keuchte nun ebenfalls.
»Du hast mich ermordet!«
Mimi kreischte wieder. Trotz des jaulenden Windes war sie deutlich zu hören. Fast, als wäre ihr Schrei ein Schwert, das den Lärm durchschnitt.
»Du hast mich ermordet!«, donnerte die Stimme erneut. »Mörder! Mörder!«
»Du hast es verdient, Mutter!«
Bob hörte auf, sich zu wehren. Gleichzeitig legte sich der Sturm, das Heulen verstummte.
Mimi schrie, als hätte sie davon nichts mitbekommen: »Du warst eine verdammte Tyrannin! Du hast Papa und mir das Leben zur Hölle gemacht!«
Was? Bob, der zu Boden gesunken war, stützte sich an der Wand ab, um aufzustehen. »Was sagst du da, Mimi?«
»Ich habe sie umgebracht, Bob.«
»Du hast gesagt, deine Mutter sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen.«
Etwas knackte. Ein Poltern folgte.
»Mimi?«
Stille.
Bob schluckte. »Mimi?« Erst jetzt fiel ihm auf, dass das Ektoplasma verschwunden war. Was hatte das zu bedeuten? Erneut war er von totaler Finsternis umgeben.
Schritte.
Langsam. Schlurfend.
»M-mimi, bist du das?«
Jemand näherte sich ihm.
Bob rappelte sich auf, tastete nach dem Lichtschalter, fand ihn nicht. Die Panik trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. »Geh weg!«, brüllte er. »Geh weg! Geh weg! Geh weg!«
Die Schritte waren nun sehr nahe. Gleich hatten sie ihn erreicht.
Die Tür! Bob drückte die Klinge und stürzte in den Flur. Das Licht stach ihm in die Augen und er taumelte vorwärts, sodass er gegen die Wand prallte. Er wirbelte herum, die Hände schützend vor sich haltend.
Und stutzte.
Da war niemand hinter ihm. Vorsichtig trat er einen Schritt vor, dann noch einen, um in den Raum zu sehen. Dieses Mal fand er den Lichtschalter auf Anhieb.
Was sich ihm nun bot, brannte sich in seinen Verstand. Mimi lag auf dem Boden. Ihr Kopf war um 180 Grad verdreht, sodass sie, obwohl sie auf dem Bauch lag, zur Decke starrte. Das Medium schien ebenfalls tot zu sein. Sie saß noch immer gefesselt vornübergebeugt da, Blut und Speichel tropften auf ihre Schuhe.
Da hörte er sie erneut: Schritte.
Dieses Mal links von ihm. Jemand ging auf ihn zu.
Alles, was Bob sehen konnte, war eine offene Tür am Ende des Flures. Wer auf immer sich auf ihn zubewegte, war unsichtbar.
Bob wich zurück.
Die Schritte verstummten.
Langsam setzte er sich in Bewegung, ohne die Tür aus den Augen zu lassen. Er musste mehrfach blinzeln, weil ihm Schweiß und Tränen die Sicht erschwerten.
Da setzte das dumpfe Pochen von Sohlen auf Teppichboden erneut ein. Top. Top. Top. Top-Top-Top. Schneller, immer schneller.
Bob wandte sich ab und rannte.
Und selbst, als er das Gebäude längst hinter sich gelassen hatte, rannte Bob noch. Weiter und weiter auf der Suche nach einem Menschen, der ihm glauben schenken würde.

3

Ein Jahr danach

»Da wären wir«, sagte Kai.
»Das ist es?« Vera kaute auf ihrem Kaugummi herum. »Sieht wie ein stinknormales Haus aus.«
Kai senkte die Stimme, um bedrohlich zu klingen. »Ist es aber nicht. Das ist eins der berüchtigtsten Spukhäuser. Und das innerhalb kurzer Zeit. Vor etwa einem Jahr wurden hier mehrere Menschen umgebracht, darunter ein Medium und zwar von einem Rachegeist.«
»Wie in The Grudge mit Sarah Michelle Gellar?«
»Ja! Man sagt, das Medium selbst hätte den Geist beschworen. Ob versehentlich oder absichtlich, weiß niemand.«
»Krass.« Vera verschränkte die Arme vor der Brust.
Kai versuchte zu erahnen, ob sie sich tatsächlich fürchtete, oder ob ihr bloß kalt war. Er wusste es nicht. »Gehen wir rein? Ich habe ein Fenster entdeckt, durch das wir schlüpfen können.«
Vera kaute weiter Kaugummi. Sie formte eine Blase, die mit einem Peng! zerplatzte. »Weiß nicht.«
»Ach, komm schon, das wird cool! Sobald man im Haus ist, soll man jemanden ›Mörder!‹ rufen hören. Und dann jagt es dich.«
»Erzähl keinen Scheiß, Kai. Du willst nur, dass ich Angst habe, damit du den starken Typen spielen kannst. Und am Ende willst du bloß, dass wir rumfummeln.«
Kai grinste. »Angst soll eine Art Aphrodisiakum sein.«
Vera starrte ihn an. Dann grinste auch sie. »Wir sehen uns nur kurz um, dann hauen wir wieder ab, klar?«
»Klar!«

NicoleSiemer_Autorin

Dauer-kichernde Autorin mit Hang zum Gruselwusel. Außerdem: Serienjunkie, Sklave meiner Stubentiger, Naturfreundin und Liebhaberin guter Musik mit Wumms.

Schreibe einen Kommentar

* Ich stimme den Datenschutzbedingungen zu